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Serious Games – ein vielfältiges Potenzial

Spielen ist eine Ureigenschaft des Menschen und lässt sich bis in die Frühzeit zurückverfolgen. Darstellungen aus dem Alten Ägypten zeigen etwa, wie Königin Nefertari das Brettspiel Senet spielt. Auch das mittelalterliche Gemälde Die Kinderspielevon Pieter Bruegel und spirituelle Schriften wie „Die Kindheitsgeschichte Jesu“ von Jakob Lorber verdeutlichen, dass Spielen seit jeher Teil des sozialen und kulturellen Lebens ist – nicht nur zur Unterhaltung, sondern auch zur Vermittlung von Wissen und Fähigkeiten.

Ein Spiel dient zwar oft der Unterhaltung, kann aber ebenso Lernprozesse fördern oder therapeutisch eingesetzt werden. Genau hier setzt das Konzept der sogenannten Serious Games – der „ernsten Spiele“ – an. Der Begriff beschreibt Spiele, die gezielt Wissen vermitteln, Training ermöglichen oder therapeutische Ziele unterstützen.

Die Idee dahinter ist keineswegs neu. Bereits lange vor der digitalen Ära wurden Spiele genutzt, um reale Situationen zu simulieren. Im frühen 20. Jahrhundert, insbesondere in den 1910er-Jahren, kamen Brett- und Kartenspiele als Trainings- und Simulationsmittel zum Einsatz, vor allem im militärischen Kontext. Diese sogenannten Kriegsspiele (engl. wargames) gehen auf das preußische Kriegsspiel des 19. Jahrhunderts zurück, bei dem Gefechtssituationen strategisch auf einem Spielbrett nachgebildet wurden.

Ab den 1950er-Jahren entstanden erste Flugsimulatoren zur Ausbildung von Piloten. In den 1960er-Jahren prägte der Politikwissenschaftler Clark C. Abt den Begriff „Serious Games“ und beschrieb deren gezielten Einsatz für Bildung und Training. Mit dem Aufkommen von Computern in den 1980er-Jahren erhielten Serious Games einen deutlichen Entwicklungsschub. Beispiele hierfür sind The Oregon Trail, das historisches Lernen fördert, oder SimCity, das komplexe Zusammenhänge der Stadtplanung vermittelt.

Ein entscheidender Durchbruch gelang in den 2000er-Jahren mit Spielen wie America’s Army, das ursprünglich vom US-Militär entwickelt wurde und zeigte, wie wirkungsvoll Spiele für Ausbildung und Rekrutierung eingesetzt werden können.

Heute verfolgen Serious Games das Ziel, Lernen und Training effektiver und motivierender zu gestalten. Durch spielerische Elemente wie Herausforderungen, Belohnungen und direktes Feedback fördern sie nachhaltiges Lernen und unterstützen die Entwicklung praktischer Fähigkeiten.

Ein besonders wichtiger Anwendungsbereich ist die Gesundheit. In der Rehabilitation werden etwa Bewegungsprogramme auf Basis der Nintendo Wii eingesetzt, bei denen Patientinnen und Patienten durch spielerische Übungen ihre Motorik, Koordination und Kraft trainieren. Solche Anwendungen steigern die Motivation und kommen beispielsweise nach Verletzungen oder bei neurologischen Erkrankungen zum Einsatz.

Unser Verlag hat es sich zur Aufgabe gemacht, dieses vielversprechende Feld weiter zu untersuchen. Bevor wir jedoch die aktuellen Möglichkeiten beleuchten, werfen wir zunächst einen genaueren Blick auf die Entwicklung der Videospiele. Denn nur, wenn man die Vergangenheit kennt, kann man die Gegenwart verstehen  – was auch auf die Geschichte der Menschheit zutrifft.