Serious Games sind digitale Anwendungen, die gezielt für Lern-, Therapie- oder Trainingszwecke entwickelt werden. Im Gesundheitsbereich kommen häufig sogenannte Exergames zum Einsatz, bei denen körperliche Aktivität mit spielerischen Elementen kombiniert wird. Zahlreiche wissenschaftliche Studien untersuchen ihre Wirksamkeit im Vergleich zu klassischem Bewegungstraining.
Eine Meta-Analyse von Tăut et al. (2017), die 61 Studien zur motorischen Rehabilitation auswertete, zeigt, dass Serious Games motorische Fähigkeiten wie Gleichgewicht, Koordination und Beweglichkeit signifikant verbessern können. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass Serious Games sowohl eigenständig als auch ergänzend zum klassischen Bewegungstraining wirksam eingesetzt werden können (Tăut et al., 2017).
Auch neuere Forschung bestätigt dieses Potenzial. Die systematische Übersichtsarbeit von Maggio et al. (2025) zeigt, dass Exergames in der neurologischen Rehabilitation mit Verbesserungen des Gleichgewichts, des Gangbildes sowie der Exekutivfunktionen und des Gedächtnisses assoziiert sind. Gleichzeitig weisen die Autoren darauf hin, dass die eingeschlossenen Studien hinsichtlich Patientengruppen, Trainingsformen und Studiendesign sehr unterschiedlich sind. Deshalb sei die Evidenz insgesamt noch begrenzt und weitere hochwertige Langzeitstudien seien erforderlich (Maggio et al., 2025).
Ein weiterer Vorteil von Serious Games liegt in ihrer motivierenden Wirkung. Die systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse von Buyle et al. (2022) zeigt, dass spielerische Elemente wie unmittelbares Feedback, Belohnungssysteme und individuell anpassbare Schwierigkeitsgrade die Motivation und Therapietreue erhöhen können. Dadurch absolvieren Teilnehmende ihre Übungsprogramme häufiger und regelmäßiger als bei konventionellen Trainingsformen (Buyle et al., 2022).
Trotz dieser positiven Ergebnisse ersetzen Serious Games das klassische Bewegungstraining nicht vollständig. Insbesondere bei komplexen Krankheitsbildern oder intensiven Kraft- und Ausdauerprogrammen bleibt die individuelle Betreuung durch Therapeutinnen und Therapeuten unverzichtbar. Die aktuelle Studienlage spricht daher dafür, Serious Games als sinnvolle Ergänzung zum klassischen Bewegungstraining einzusetzen. Insbesondere ihre motivierende Gestaltung kann dazu beitragen, die regelmäßige Durchführung von Bewegungsprogrammen zu fördern und damit den Therapieerfolg zu unterstützen.
Literatur
Buyle, M., et al. (2022). The role of motivation factors in exergame interventions for fall prevention in older adults: A systematic review and meta-analysis. Frontiers in Neurology, 13, 903673. https://doi.org/10.3389/fneur.2022.903673
Maggio, M. G., et al. (2025). The overlooked role of exergames in cognitive-motor neurorehabilitation: A systematic review. npj Digital Medicine, 8, 419. https://doi.org/10.1038/s41746-025-01843-4
Tăut, D., et al. (2017). Play seriously: Effectiveness of serious games and their features in motor rehabilitation. A meta-analysis. NeuroRehabilitation, 41(1), 105–118. https://doi.org/10.3233/NRE-171462